Demokratiegeschichte vermitteln unter den Bedingungen der Migrationsgesellschaft

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops diskutierten im Plenum und in Kleingruppen erste Arbeitsbausteine für die Materialiensammlung.

Workshop von Freitag, 25.11, bis Samstag, 26.11.2011, in Heidelberg


Eine Fülle von Symptomen lassen sich für eine wachsende Distanz zwischen der etablierten Politik und vielen Menschen in Deutschland feststellen. Immer weniger Menschen machen von Ihrem Wahlrecht Gebrauch, viele sind mit „den Politikern“ unzufrieden und gehen auf Distanz zur parlamentarischen Demokratie. Auch unter Jugendlichen sind Politikferne und Politikverdrossenheit weit verbreitet. Schulen und außerschulische Bildungseinrichtungen müssen sich diesem Problem stellen. Dabei stehen sie vor der Herausforderung, mit Gruppen zu arbeiten, in denen familiäre Erfahrungen und Lebensumstände der Jugendlichen sehr unterschiedlich sein können. Während beispielsweise für Jugendliche mit deutscher Staatsangehörigkeit die Möglichkeiten der gesellschaftlichen Partizipation wie das Wahlrecht mit Vollendung des 18. Lebensjahres klar gegeben sind, verhält es sich für Kinder von in Deutschland lebenden Ausländern, die oft schon über mehrere Generationen in Deutschland leben, anders. Sie stoßen immer wieder an Grenzen. Die Familien mancher Jugendlicher kommen aus Ländern, in denen sie die Bedingungen einer demokratischen Rechtsordnung nicht kennenlernen konnten. Aufgabe der Lehrer und Multiplikatoren ist es, diesen unter verschiedensten Umständen heranwachsenden Jugendlichen Felder zu eröffnen, in denen sie sich ihrer gesellschaftlichen Handlungsmöglichkeiten bewusst werden können.


Im Rahmen der Entwicklung der Materialiensammlung zur Praktischen Geschichtsvermittlung in der Migrationsgesellschaft führt Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V. in Zusammenarbeit mit der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte und der Bundeszentrale für politische Bildung einen Workshop zum Thema Demokratiegeschichte vermitteln durch.

Der Workshop richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer. Ihnen soll die Möglichkeit geben, vorgefertigte Unterrichtsbausteine zu erproben und dahingehend zu bewerten, ob sie zur Vermittlung von Demokratiegeschichte in heterogenen Gruppen geeignet sind. Die Bausteine beruhen sowohl auf Beispielen der Zeitgeschichte, geben aber auch Anleitungen für Projekte wie z.B. die lokale Erforschung von Demokratiegeschichte. Im Focus stehen dabei der lebensweltliche Bezug für Jugendliche sowie inhaltliche Anknüpfungspunkte für Migranten. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Workshops wird gleichzeitig ermöglicht, ihre eigenen Methoden und Erfahrungen der Demokratievermittlung zu diskutieren.